Eine ständige Ansiedlung von Juden war formell bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts nicht möglich, was aber nicht bedeutet, dass es zuvor keine jüdische Bevölkerung in Allenstein gab. Sporadisch tauchten hier bereits im Mittelalter jüdische Kaufleute auf. Sie erhielten Genehmigungen für die Teilnahme am Jahrmarkt, wobei ihnen zeitgleich der freie Handel auf dem Land untersagt wurde. Sie stellten eine Konkurrenz für die Einwohnerschaft des Ermlands und der preußischen Kleinstädte dar, wenngleich die Aktivitäten der jüdischen Kaufleute für die Behörden finanziell ertragreich waren. Diese beiden Gegensätze waren schwer in Einklang zu bringen und bewirkten infolgedessen verschiedene Rechtsreformen.

Diese Situation änderte sich auch nicht nach dem Anschluss des Ermlands an das Königreich Polen. Im Jahre 1717 äußerten die Ratsherren von Allenstein ihre Unzufriedenheit mit dem Ermländer Kapitel, da dieses die Anwesenheit von zwei jüdischen Kaufleuten auf dem Gebiet des Allensteiner Wirkungsbereichs bewilligte. Im Jahre 1718 verbot Bischof Teodor Potocki unter der Androhung von Haftstrafen und Enteignung, den Juden und anderen Hausierenden jegliche Handelstätigkeiten in der Stadt. Zehn Jahre später hingegen erlaubte Bischof Andrzej Szembek jüdischen Menschen in der Stadt zu handeln, wenngleich nur jenen, die über ein entsprechendes Privileg verfügten. Drei Jahre später verhängte er aber wieder ein absolutes Handelsverbot für die jüdische Bevölkerung. Der Bischof Adam Stanisław Grabowski hob das Handelsverbot im Jahre 1742 erneut auf, wenngleich nur in Städten. Das Verbot war aber nur mäßig wirksam, da bereits Mitte des 18. Jahrhunderts die Allensteiner erneut klagten, dass jüdische Menschen außerhalb der Jahrmärkte auch in den Dörfern Leinen, Wolle, Garn und Tierhäute aufkaufen würden. Im Jahre 1753 willigte das Kapitel ein, dass jüdische Menschen ausschließlich mit Textilien handeln durften. Ein Jahr darauf erlaubte Bischof Grabowski nur drei Juden Handel zu treiben. Die anderen durften nur während der Jahrmärkte ihre Waren anbieten. Die Kaufleute umgingen die Verbote des Kapitels und des Bischofs und ließen sich bevorzugt in den Ländereien des Adels nieder.

Die ersten richtigen jüdischen SiedlerInnen ließen sich in Allenstein erst unter preußischer Herrschaft nieder. Sie waren bereits 1780 in der Stadt, obwohl sie nicht über die Bürgerschaft verfügten und außerhalb der Stadtmauern lebten. Die Siedlungsbedingungen veränderten sich zum Ende der napoleonischen Kriege. Maßgeblich traten Veränderung nach dem sog. Toleranzpatent aus dem Jahre 1813 ein. In diesem Jahr zogen auch die ersten jüdischen Menschen in die Stadt. Sie kamen aus Westpreußen und später auch aus Kongresspolen. Das älteste jüdische Geschäft wurde in Allenstein von den Brüdern Simonson im Jahr 1814 eröffnet. Im Jahr 1816 zählte die Gemeinde 60 Personen. Sehr schnell wurden die entsprechende religiöse Infrastruktur sowie das Schulwesen aufgebaut. Im Jahre 1819 wurde der Friedhof errichtet, 1835 dann die Synagoge]. Die hiesige jüdische Bevölkerung beschäftigte sich maßgeblich mit Handel, kaufmännischen Aktivitäten sowie dem Handwerk. Die Verteilung des Wohlstands unter den jüdischen Familien erreichte eine beträchtliche Bandbreite. Zu den reichsten Juden (I. Steuerklasse) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten Izaak und Simon Simonson sowie Frankenstein.

Neben den jüdischen Bürgern, die in Allenstein ansässig waren, kamen auch jüdische Hausierer, Wucherer und Schmuggler in die Gegend. Der Allensteiner Landrat verkündete 1850: "Ich befehle der Gendarmerie, die polnischen Juden, die ohne Erlaubnis der Behörden umherziehen, gefangen zu nehmen und hierher zu führen. Die Bewohner sollen daran erinnert werden, dass jeder, der ausländische Juden in seinem Haus und als Gäste empfängt, 2 Taler Strafe zahlen muss oder für die gleiche Anzahl von Tagen, die die Juden bei ihm verbracht haben, ins Gefängnis geworfen wird".

Die Mitgliederzahl der Allensteiner Diaspora stagnierte nicht, wie es beispielsweise bei Gemeinschaften in den Masuren war, in den 1880er und -90er Jahren, sondern wuchs im Gegenteil stetig, sodass sie im Jahr 1925 612 Gläubige zählte. Bis zum Jahr 1913 befand sich in Allenstein der Sitz des Synagogenverbands Ostpreußens, der 1880 in Insterbrug gegründet worden war. In der 1877 errichteten neuen Synagoge wurden der Sitz der Gemeindeverwaltung, ein Gebäude für Beamte und ein Wirtschaftsgebäude gebaut. Im Jahr 1907 wurde außerdem ein Heim für alte und gebrechliche Menschen errichtet.

Ab 1891 unterhielt die Synagogengemeinde einen Rabbiner. In den Jahren 1871–1898 war Tonn der Rabbiner, sein Nachfolger war Dr. Marcus (Marek) Olitzki, der das Amt bis 1920 innehatte. Zu seinem Nachfolger wurde bis 1942 Dr. Naftali Apt (geb. 1888). Rabbi Olitzki, ein gebildeter und integrer Mann, war für die Geschichte der Gemeinschaft von besonderer Bedeutung. Als er im Jahr 1912 bei der Grundsteinlegung für das neue Rathaus teilnahm, schrieb er folgende Worte in das Gedenkbuch: „Friede und Segen. Das neue Rathaus – möge dieses Symbol für immer den künftigen Generationen ein Zeuge der Eintracht und des Friedens der gesamten Einwohnerschaft sein“. In seiner Todesanzeige, die 1920 in der „Gazeta Olsztyńska“ veröffentlicht wurde, stand: „Dr. Marek Olitzki, Rabbiner in Allenstein, verstarb gestern an den Folgen der grassierenden Grippe. Der Verstorbene stand über mehr als 28 Jahre lang an der Spitze der jüdischen Gemeinde, wobei er allgemeine Anerkennung genoss“.

In Allenstein war der Verband des Ostpreußischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur tätig. 1902 wurde die jüdische Freimaurerloge B’nai B’rith gegründet, die ihren Sitz in einem Gebäude an der Ecke der Kaiserstraße (heute ul. Kopernika 13) und der Moltkestraße (heute ul. M. Kajki) hatte. Es kursierte das Gerücht, dass sie mit einem unterirdischen Gang mit der nahegelegenen Loge „Stein an der Alle“ verbunden war. Der Glaube daran war so stark, dass im März 1933 SA-Männer die umliegenden Gärten auf der Suche nach dem unterirdischen Korridor durchsuchten.

Einer der weltweit bekannten Allensteiner Juden war Erich Mendelsohn, ein bedeutender Vertreter der expressionistischen und organischen Architektur im 20. Jahrhundert. In Deutschland waren zudem der gebürtige Allensteiner, Sozialdemokrat und Pazifist Hugo Haase (1863-1919), der vor dem Ersten Weltkrieg einer der Anführer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands war, sowie die impressionistische Künstlerin Frieda Strohmberg (1855-1940), die in Allenstein in den Jahre 1910–1927 lebte und wirkte, bekannt.

Die jüdischen EinwohnerInnen von Allenstein war überwiegend im Handel tätig. Sie dominierten in der Kleider- und Textilbranche (u. a. Max und Georg Hirschfeld, L. Hirschfeldt, L. und Dawid Mendelsohn, Salko Frankenstein, Jakub und Moritz Simonson, J. Levy, Max Silberstein, Julius Lewin, Julius Dittrich, Julius Blum, Louis Lewald, L. Rehfeld, Herrmann Cohn, J. Maretzki, Max Litzmann, sowie Hermann Lachmanski. Sie verkauften entweder unterschiedliche Erzeugnisse (Ludwik Silberstein hatte in seinem 1907 eröffneten Kaufhaus den ersten Aufzug in der Stadt[refr:|Bętkowski R., Olsztyn jakiego nie znacie. Obraz miasta na dawnej pocztówce, Olsztyn 2003, S. 36, 42.]], H. Schönberg), Metallerzeugnisse und Bauprodukte (Jakub Mondry, Moritz Lachmann), Haushaltsartikel (Jakub Mondry, Leo Landshut), Lederaccessoires (Daniel Heymann), Schuhe (Pincus Lewald), Nähmaschinen (J. Baruch), Thermometer (S. Salzmann), Heringe (Wilhelm Lewin), Kolonialwaren und Delikatessen (Jakub Woythaler, Josef Herrmann, Julius Schleim) oder Getreide (Selmar Herrnberg, Abraham Lewin). Es gab auch jüdische Fabrikanten. Watte bspw. produzierte M. H. Raphaleson, Seife – Segall, Essig und Senf – Jakub Silberstein, Mühlsteine – Lewin, Streichhölzer – Julius Ladendorff (Ladendorf, Laddendorff). Zum industriellen Imperium des letzteren zählten auch Sägewerke und andere Betriebe. Im Jahr 1901 stellte er knapp 700 Personen ein.

Jüdische Menschen in Allenstein waren auch im Handwerk (bspw. Josef Herrman reparierte Regenschirme), als Bankiers (Julius Lewin), Hoteliers (Paul Hirschberg), Ärzte, Apotheker oder Bierbrauer (J. Silberstein, Hirsch Herrnberg tätig. Ferner waren sie Inhaber von Gaststätten (Bernard Lewinson, Salomon Lippmann, Max Marcus – „Zum Jacobiner”, H. Schönberg). Herausgeber von Postkarten war V. Silberstein.

Die Allensteiner Gemeinde unterstützte keiner der Parteien im deutsch-polnischen Nationalkonflikt. Sie passte sich sprachlich den jeweiligen Kunden an. Im Jahre 1861 wurde in den Statistiken eingetragen, dass 30 der hiesigen jüdischen Menschen Jiddisch sprechen, 130 Deutsch oder Polnisch. Doch sympathisierten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts viele jüdische Menschen mit der polnischen Bevölkerung. So unterstützte der Kaufmann Dawid Mendelsohn bei den Wahlen im Jahre 1893 den polnischen Kandidaten Antoni Wolszlegier und verkündete: „Jeder Mensch jüdischen Glaubens muss diesen Polen wählen, den er ist ein anständiger Kerl“. Später identifizierte sich die jüdische Bevölkerung immer mehr mit der deutschen Mehrheit

Ungeachtet dessen waren die Mitglieder der Gemeinde im gesellschaftlichen Leben der Stadt engagiert. Von Anfang an gehörten sie zur Gesellschaft für Stadtverschönerung (1843). Dawid Mendelsohn war Ratsmitglied und Mitbegründer (und später Kommandant) der freiwilligen Feuerwehr. Ferner war er im Roten Kreuz, im Gymnastikverband und dem Kriegerverein tätig und arbeitete als Dozent in der Allensteiner Schule für Landwirtschaftslehre. Auch Louis Lewald war in der Feuerwehr und dem Gymnastikverband aktiv. 1853 wurde Izaak Simonson zum ersten Ratsherrn gewählt. Weitere jüdische Ratsmitglieder waren: Hirschfeld, Lewinsohn, Jacobsohn, Lewin, Raphaelsohn, Salzmann und Simon. Im Jahre 1861 wählte der Stadtrat den Kaufmann Seelig Salzmann zum Stellvertreter des Bürgermeister, wenngleich diese Wahl nie von den Behörden der Regentschaft in Königsberg anerkannt wurde. Die jüdische Gemeinde unterstützte immer wieder die armen EinwohnerInnen der Stadt, unabhängig ihres Glaubens und finanzierten sogar die Ausstattung der katholischen Kirchen.

Es kam aber auch zu Konflikten zwischen der jüdischen Gemeinschaft und der christlichen Mehrheit. Im Zuge einer Welle des Antisemitismus, die besonders 1882 in ganz Europa eine hohe Intensität erreichte, konnte die Polizei ein von Arbeitern initiiertes Pogrom verhindern. Die Grundlagen der antijüdischen Ansichten, die auch in der lokalen Presse zum Ausdruck kamen, waren religiöse Differenzen und wirtschaftliche Konkurrenz (u. a. um die Pacht der Seen).

1932 lebten 612 jüdische Personen in der Synagogengemeinde von Olsztyn (1,6% der Gesamtbevölkerung), von denen 106 den Gemeindebeitrag zahlten. Sie wurde von einem Vorstand geleitet, der sich aus Neumann II. (Roonstraße 39), B. Jacob (Klebergstraße) und Leo Landshut (Sekretär, Markt 32/33) zusammensetzte. Die Funktion des Bezirksrabbiners hatten Dr. Äpt (Markt 9) sowie Kantor und Lehrer Silberpfennig (Liebstädter Straße 5) inne. Es gab folgende Abteilungen und Einrichtungen in der Gemeinde: Finanzen, Kultus, Friedhof, Bauwesen und eine Schule. Im Jahr 1931 betrug das Gemeinde-Budget 29.592 RM. Zum Besitz der Gemeinde gehörten u.a. die Synagoge in der Liebstädter Straße 5 a, ein Friedhof, eine Mikwe (rituelles Badehaus) und ein rituelles Schlachthaus.  Religionsunterricht wurde in der Ober-, Sekundar- und Primarstufe durchgeführt – etwa 50 Kinder besuchten die Volkshochschule.

Die komplexe und schwierige politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg war auch im ostpreußischen Allenstein spürbar. Die allgemeine Krisenstimmung in Verbindung mit dem steigenden Wohlstand der reichsten Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft begünstigten die antisemitische Ressentiments. Jüdische Menschen und KommunistInnen wurden beschuldigt, Verursacher des Elends zu sein. Die antisemitischen Ausschreitungen verstärkten sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und nahmen zunehmend organisierte Formen an, wenngleich es schon vorher, z.B. in der Nacht vom 31. Juli 1932, zu Gewalttaten der Nationalsozialisten gegen Linke und jüdische Menschen kam. Im Jahr 1933 waren u. a. Boykotte gegen jüdische Geschäfte, Entlassungen, Umsiedlungen und Enteignungen, Förderung der Emigration, Anprangerung von „Judenfreunden“ im antisemitischen Hetzblatt „Stürmer“, rechtliche und administrative Einschränkungen der jüdischen Bevölkerung (bspw. die Vergabe von „zweiten“ Namen, Israel, Meyer, Sara) sowie viele andere Repressionen bereits allgegenwärtig und alltäglich.

Jüdischen Menschen wurde das Recht auf Deutsch-Sein verweigert. Nach den Wahlen im März 1933, die von der NSDAP gewonnen wurden, verordneten die Behörden, alle Häuser in den Farben schwarz-weiß-rot zu schmücken, die als Reichsfarben galten. So handelten auch die jüdischen Kaufleute, doch ihre Flaggen wurden kurzerhand von SA-Männern abgenommen. Manchmal kam es aus der Perspektive späterer Ereignisse zu kuriosen Situationen. Am 14. März 1933 demonstrierten „Personen in SA-Uniformen“ vor jüdischen Geschäften. Dabei verteilten sie Flugblätter, vor allem vor der Firma Conitzer und Söhne. Die jüdische Gemeinschaft wandte sich an den Kommandeur der SA in Królewiec, der "mit Hilfe einer SS-Einheit, die den SA-Männern mit dem Ausschluss aus der SA drohte, für Ordnung sorgte"!

Am 1. April 1933 versperrten die Patrouillen der SA den Zugang zu jüdischen Geschäften, deren Besitzer deutsche Staatsbürger waren. Die Geschäfte von jüdischen Menschen mit polnischer Staatsbürgerschaft wurden hingegen nicht boykottiert. Die Aktion war aber nicht von Erfolg gekrönt – der Allensteiner Kreisleiter Ratzki schrieb darauf hin: „In Zukunft müssen alle Aktionen gegen das Judentum geheim gehalten werden, da die Verlautbarung des Boykotts in Allenstein gerade das Gegenteil bewirkt hat. Zwei Tage vor der Aktion waren nämlich die jüdischen Geschäfte von Kunden sprichwörtlich überfüllt“. Die Schikanen wurden nach dem 17. August 1933 intensiver. Die nationalsozialistischen Behörden verschärften gekonnt existierende soziale Spannungen. Beispielsweise wurde im Jahre 1937 eine umgesiedelte jüdische Familie in die Wohnung des polnischen Aktivisten Franciszek Barcz geschickt. In der Wohnung war ein Kindergarten für die polnischen Staatsbürger in Allenstein eingerichtet. Während den Novemberpogromen der sog.  „Reichskristallnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge geplündert und niedergebrannt. Ferner wurden Gebäude der Gemeinde sowie Geschäfte jüdischer BürgerInnen und der Friedhof zerstört.

Die unterschiedlichen Schikanen bewirkten die Flucht vieler jüdischer Menschen aus Allenstein nach Palästina, Königsberg und Berlin, wo sie in der größeren Gemeinschaft mehr Sicherheit erwarteten. Zudem versuchten sie auch in den Niederlanden, der Tschechoslowakei, in Frankreich (über Belgien) und in Shanghai – wie sich später herausstellen sollte erfolglos – Asyl zu finden.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs entstand in Allenstein kein Ghetto, jedoch wurde die jüdische Bevölkerung in einem jüdischen Altenheim unter sehr schweren Bedingungen untergebracht. Im Altenheim wurden ca. 130 Allensteiner BewohnerInnen festgehalten. 1941 kamen weitere jüdische Personen aus anderen südlichen Landkreisen Ostpreußens hinzu. Im Sommer arbeiteten sie in Gärtnereien, im Winter räumten sie den Schnee von den Straßen der Stadt.

Das Ende der Allensteiner Gemeinde kam im Jahr 1942. Am 24. Juni wurde ein Teil der im Altenheim festgehaltenen jüdischen Menschen mit einem Transport höchstwahrscheinlich in das Ghetto in Minsk deportiert. Weitere zwei Transporte fuhren am 2. und 24. August zum Ghetto in Theresienstadt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Teil der Gemeindemitglieder 1942 im Wald zwischen Allenstein und Osterode erschossen wurde.

Unter den Opfern des Holocaust werden ca. 200 Personen genannt, die entweder in Allenstein geboren wurden oder dort gelebt haben. Sie wurden eingesperrt und starben später durch Entkräftung oder wurden in den Ghettos in Theresienstadt, Minsk, Riga, Kaunas, Litzmannstadt (Lodz), Izbica, Warschau, Piaski und Shanghai sowie in den Lagern in Auschwitz, Treblinka, Sachsenhausen, Dachau, Ravensbrück, Sonnenstein, Sobibor, Tormersdorf, Kulmhof, Stutthof, Buchenwald, Raasik (Reval), Bergeb-Belsen ermordet.

Die grausame Zeit des Krieges überlebten u. a. Angehörige der Familien Berlowitz, Danzig, Engel, Hertz, Kaufmann, Koretz, Krigstanc, Krikstan, Lauman, Levich, Lowski, Mendelsohn, Pommer, Raphaelsohn, Ruben, Wolf.

Nach dem Ende des Krieges begannen sich neue BewohnerInnen in Allenstein niederzulassen. Darunter befanden sich auch Personen jüdischen Glaubens, die den Holocaust vor allem in den östlichen Gebieten der Zweiten Republik überstanden sowie Repatriierte, Überlebende aus Konzentrationslagern, demobilisierte Soldaten und Beamte der Administration. Das Ermland wurde nicht als Ansiedlungsgebiet für jüdische Menschen ausgewählt. Die Allensteiner Gemeinschaft war zudem relativ klein, vor allem im Vergleich mit Westpreußen, Niederschlesien und insbesondere mit Breslau.

Das Jüdische Woiwodschaftskomitee in Allenstein wurde am 21. Januar 1946 gegründet. „Die erste Vollversammlung von 57 Juden und Jüdinnen, setzte sich die materielle Unterstützung der jüdischen Bevölkerung (Geld, Lebensmittel) sowie den moralischen Beistand zum Ziel, um auch bei ihrer Organisation und Arbeitssuche zu helfen“. Zum Vorsitzenden wurde Michał Szaft gewählt. Ab 1946 bis mindestens Februar 1948 war in Allenstein auch eine Niederlassung der Gesellschaft für Gesundheitsschutz aktiv.

Das Komitee in Allenstein beschäftigte sich mit unterschiedlichen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens der 200-300 Personen zählenden Gemeinschaft, vor allem mit sozialen, kulturellen und religiösen Angelegenheiten. Im Bericht vom Juni 1946 informierte das Allensteiner Komitee: „Aufgrund der geringen Zahl von Jüdinnen und Juden gibt es keine lokalen Komitees in unserer Woiwodschaft“. Die jüdischen Behörden kümmerten sich nicht nur um die ansässige Bevölkerung, sondern auch um jene, die in der Stadt nur auf der Durchreise waren: „Im Juni reisten in einem Transport aus dem Wilnaer Gebiet 363 Juden und Jüdinnen über Allenstein. Die Reisenden nahmen sowohl finanzielle als auch Unterstützung in Form von Lebensmitteln in Anspruch. In Allenstein ließen sich damals 16 Personen nieder. Im Juni 1946 verließen jedoch zwei Familien (6 Personen) die Stadt“.

Das Komitee bemühte sich auch um die Restitution des Vermögens aus der Vorkriegszeit der Synagogengemeinde. Zu diesem Zweck informierte es den Bürgermeister der Stadt im Februar 1946: „In der ul. Śląska 2 auf dem jüdischen Friedhof befinden sich zwei Gebäude, die sich aus einer Synagoge und 7 Zimmern zusammensetzen und im Besitz der jüdischen Glaubensgemeinde waren. In der ul. Grunwaldzka befinden sich ebenfalls zwei Gebäude der Gemeinde, die aber von Zivilisten bewohnt werden.“ Zudem unternahm man Bemühungen, das Gebäude der einstigen jüdischen Loge in der ul. Kajki 2 wiederzuerlangen. Im Jahr 1948 zählte die Jüdische Glaubenskongregation 190 Gläubige.

Das Jahr 1949 war das letzte Jahr, in dem das Komitee tätig war. Die Gründung des jüdischen Staates sowie die wirtschaftlichen Veränderungen, die mit Repressionen der Stalin-Ära einher gingen, bewirkten, dass sich die jüdische Gemeinschaft zur Wende der 1940er und 50er Jahre praktisch auflöste. Ihre Mitglieder wanderten nach Israel aus. Im Jahr 1968 nahm die Bevölkerung von Allenstein nicht aktiv an den Ereignissen gegen die „Zionisten“ teil.

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