Vorrechte für Juden

Dokumente, die den rechtlichen Status der jüdischen Bevölkerung, die bis zum Ende des 18.Jhs in polnischen Gebieten wohnte, bestimmten und alle ihre Lebensbereiche und Tätigkeiten normierten. Das älteste Vorrecht für Juden war das Kalischer Privileg, das 1264 von dem großpolnischen Prinzen Bolesław dem Frommen erlassen wurde. Nach diesem Muster erließ man andere Generalvorrechte (auf gesamtpolnischer Ebene) und Vorrechte für Juden, die in bestimmten Gebieten wohnten. In der zweiten Hälfte des 13.Jhs. erließen schlesische Prinzen einige Vorrechte für Juden, z.B. Bolko II. (1295), und Heinrich III. von Glogau (1299). 1287 erhielten die Kalischer Juden die Erlaubnis einen Friedhof zu errichten. Die Vorrechte, die Kasimir III. der Große 1334, 1364 und 1367 erließ (das letzte wird von Historikern als Fälschung betrachtet), waren von großer Bedeutung. Alle Könige, die nach Kasimir dem Großen herrschten, bis hin zu Stanislaus August Poniatowski bestätigten die Privilegien der Juden. Seit Mitte des 16.Jhs. verloren sie allmählich an Bedeutung. 1539 übertrug Sigismund der Alte die Jurisdiktion über Juden, die auf privaten Gütern wohnten, auf deren jeweilige Landesherren (mit Ausnahme bestimmter Angelegenheiten, wie z.B. der Anklage wegen Ritualmordes). Seit dieser Zeit bemühten sich die Gemeinden, die auf privatem Grund lagen, eigene Vorrechte zu erlangen. Diese Dokumente waren sehr oft eine genaue Kopie der königlichen Generalvorrechte, im 17. und 18.Jh. unterschieden sich jedoch die Schenkungsurkunden in den einzelnen Gemeinden voneinander. Eine zunehmende Zahl an Gemeindevorrechten trug dazu bei, dass auch die jüdischen Gemeinden in den der Krone unterstellten Städten eine Bestätigung ihrer Rechte erlangen wollten. Diese Dokumente wurden vom König oder seinem Stellvertreter, dem Landrat, erlassen. Im 17.Jh. wurde es zur Regel, dass jede neu gegründete jüdische Gemeinde ein getrenntes Vorrecht bekam, ihre Texte wurden in die Stadtbücher eingetragen. Die Gesamtheit der Vorrechte der Juden kann man abhängig vom Aussteller in zwei Gruppen unterteilen: 1) fürstliche und königliche – von den Herrschern (Prinzen und später Königen oder deren Stellvertreter – königliche Beamten) für die Gesamtheit der jüdischen Bevölkerung, einzelne Gemeinden, oder individuelle Personen erlassene Privilegien und 2) private Privilegien – für ganze Gemeinden oder individuelle Personen. Diese wurden seit dem Jahre 1539 vom Adel und vereinzelt auch vom Klerus, und Gutsbesitzern, auf deren Gütern Juden wohnten, erlassen. Eine andere Dokumentengruppe, die für Juden erlassen wurde, stellten päpstliche Bullen dar. Sie sollten der Anklagen wegen angeblicher Ritualmorde vorbeugen. Die älteste von ihnen wurde 1540 von Papst Paul III. ausgefertigt. Abhängig von den Empfängern, für die diese Vorrechte ausgefertigt wurden, kann man drei Gruppen unterscheiden: 1) Generalvorrechte – erlassen für alle Juden, die das Königreich Polen oder bestimmte Gebiete, z.B. Großpolen, Kleinpolen bewohnten (fürstliche und königliche Vorrechte); 2) Gemeindevorrechte – für einige Gemeinden geltende Vorrechte, welche die Grundprinzipien der Existenz der jeweiligen Gemeinde normierten oder eine bestimmte Angelegenheit, z.B. die Gründung eines Friedhofs oder eine Steuerbefreiung betrafen (erlassen vom König oder Besitzer der Stadt, dem Adel oder Klerus); 3) individuelle Privilegien – für einzelne Kaufleute und Zwischenhändler (königliche, adelige). Selbst der Hochadel erließ keine Generalvorrechte für alle Juden, die auf ihren Gütern wohnten, sondern nur Vorrechte für bestimmte Gemeinden. Die Vorrechte für Juden, die von den polnischen Herrscher erlassen wurden, wurden von den Teilungsmächten abgeschafft.

Der Text stammt vom Portal Diapozytyw, früher Eigentum des Adam-Mickiewicz-Instituts.
Der nebenstehende Text stammt aus dem Buch „Historia i kultura Żydów polskich. Słownik“ („Die Geschichte und Kultur der Polnischen Juden. Glossar.“), dessen Autoren Alina Cała, Hanna Węgrzynek und Gabriela Zalewska sind. Das Buch wurde beim Verlag WSiP herausgegeben.

Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:

Konrad Adenauer Stiftung Polska

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