Polnische Kinderheime in der UdSSR

Es wird geschätzt, dass unter den polnischen Bürgern, die 1940-1941 aus dem Grenzland ins Innere der UdSSR deportiert wurden, 90.000 Kinder unter 16 Jahren waren. Im Sommer 1941, nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der UdSSR und der polnischen Exilregierung, begannen polnische Kinderheime bei den Regierungsvertretungen an unterschiedlichen Orten in der UdSSR, in denen Verbannte wohnten, zu entstehen. Im August 1942 gab es 65 solcher Kinderheime, hier wurden Waisenkinder, Halbwaise, Kinder, deren Eltern nicht für ihren Unterhalt sorgen konnten, und Soldatenkinder untergebracht. Beim Kommando der Polnischen Streitkräfte, d.h. der sog. Andersarmee entstanden 3 Waisenhäuser in Busuluk, Guzar und Wrewskoje. Im März und August 1942 verließen 7000 Waisen aus den polnischen Kinderheimen die UdSSR infolge der Evakuierung der Andersarmee in den Irak. Die sowjetischen Behörden lösten die Vertretungen auf und übernahmen die existierenden Waisenhäuser. Erst im August 1943 setzte man die Idee der gentrennten Kinderheime für die Kinder polnischer Bürger aufgrund einer Initiative des Bundes Polnischer Patrioten fort. Deren Idee war es sich um die Erziehung polnischer Patrioten zur Arbeit im sozialistischen Vaterland zu kümmern. Waisenhäuser waren von sowjetischen Lokalbehörden finanziert. Bis zum Jahre 1946 entstanden 90 Kinderheime in den russischen, kasachischen, kirgisischen, tadschikischen und usbekischen Teilrepubliken. Dort lebten die Kinder der Verbannten, sie waren vor allem polnischer und jüdischer Nationalität. Von Februar bis Juni 1946 führte man die Repatriierung polnischer Kinderheime durch. Die Transporte kamen nach Gostynin und von dort aus wurden sie in Waisenhäuser in ganz Polen geschickt. 1946 kehrten 6700 polnische Waisen aus der UdSSR zurück.

Der Eintrag entstand im Rahmen des Projekts Zapisywanie świata żydowskiego w Polsce [Aufzeichnung der jüdischen Welt in Polen]. Autorin des Projektes ist Anka Grupińska, bekannte polnische Journalistin und Schriftstellerin, die sich in der Neuesten Geschichte der Polnischen Juden spezialisiert. Dieses Projekt, das 2006 vom Museum für die Geschichte der Polnischen Juden initiiert wurde, beruht auf der Aufzeichnung von Gesprächen mit polnischen Juden aller Generationen.

Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:

Konrad Adenauer Stiftung Polska

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