Jüdische Sportklubs

Die Sportbewegung in Europa entstand Ende des 19. Jahrhunderts und muss im  Zusammenhang mit den Prozessen der modernen Nationsbildung und dem allgegenwärtigen neuentstandenen politischen Bewusstsein gesehen werden. In den jüdischen Gemeinden in den polnischen Gebieten wurde das Interesse am Sport zu Beginn des 20. Jahrhunderts geweckt und war mit der Entwicklung der zionistischen Ideologie verbunden, die Wert auf die Erziehung einer neuen, starken und gesunden Generationen legte, die im Stande war, die Strapazen des Aufbaus einer nationalen Heimstätte in Palästina zu tragen.

Die ersten jüdischen Sportvereinen wurden um die Jahrhundertwende im österreichischen und preußischen Teilungsgebiet gegründet. Die älteste Turngesellschaft, "Dror" [hebr. Schwalbe] wurde in Lwów [Lemberg] durch den Ingenieur Zinn gegründet, der dem Verein ganze 35 Jahre lang vorstand. Die nächsten jüdischen Sportvereine waren der 1908 von A. Kohn in Lwów gegründete jüdische Sportklub "Hasmonea" (der Name bezieht sich auf die Dynastie der Hasmonäer, die Judäa zu alten Zeiten regierten) und der jüdische Sportklub "Ha-Koach" [hebr.  Kraft] in Stanisławów [Stanislau].

Auf Initiative des Vereins "Hasmonea" wurde ab 1913 das jährliche Fest „Lag Ba-Omer“, der jüdische Tag des Sports, begangen. Nachdem Polen seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte, hatten diese Sportklubs ihre Niederlassungen in vielen Städten. Im Jahre 1929 gründete man die Gesellschaft der jüdischen Verbände für Gymnastik und Sport in Polen, "Makkabäer" gennant (hebräisch Hammer - dies war der Spitzname von Juda Makkabi, dem Begründer der Dynastie der Hasmonäer), mit Sitz in Warszawa [Warschau]. Er war Teil einer weltweiten jüdischen Sportbewegung mit dem gleichen Namen. Ende der 30er Jahre gehörten seinen Vereinen etwa 60.000 Jugendliche in verschiedenen Städten an.

Seit 1930 beteiligte sich die Mannschaft der jüdischen Jugend aus Polen an allen nachfolgenden Makabiaden (ein hebräisches Spartakiaden-Äquivalent), zum Beispiel, in Tel Aviv (1933). Sehr aktiv waren die elitären Skiklubs dieses Verbandes, die an den Wintermakabiaden im Ausland teilnahmen. Auch die linken Parteien bildeten Sportorganisationen. Die beliebtesten waren: der jüdischer Sportverband "Morgenstern", gegründet durch den „Bund“, der Sportverband "Stern", der bei der „Poale Zion-Linken“ wirkte, und der Jüdische Arbeiter-Sportsklub „Ha-Poel ", [hebr. Arbeiter], der eng mit der „Poale-Rechten“ verbunden war.

Diese drei Klubs gehörten zu dem 1925 in Polen gegründeten Verband der Arbeiter-Sportgesellschaften, der unter der Oberaufsicht der Polnischen Sozialistischen Partei blieb. Polnische und jüdische Sportvereine arbeiten eng zusammen, indem sie Freundschaftsspiele oder gemeinsame Veranstaltungen organisierten. Viele jüdische Sportler und Sportfunktionäre gehörten Vereinen an, die über das ganze Land verteilt waren, wie z.B. der Fußballer L. Sperling (Mitglied der polnischen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 1924), Gintel, der für den Fußballverein "Cracovia" spielte, M. Hamburger, einer der Gründer und Spieler des Warschauer Sportvereins "Polonia", R. Grünberg, Schwertkämpfer und ein Funktionär des Akademischen Sportverbandes Kraków [Krakau] (er war Kapitän der polnischen Fechtermannschaft bei den Olympischen Spielen 1924), Singer, ein Boxtrainer aus Gdańsk [Danzig], der Tennisspieler und Funktionär von "Lublinianka,"

J. Arnasztajn. I. Appel, J. Zuckerman, H. Friedman, A. Frydman, S. Kohn, M. Łowcki und D. Wachtel waren allesamt berühmte Schachspieler. Einige der polnischen Vereine führten in den späten 30er Jahren die sogenannten "Arier-Paragraphen" ein, wie zum Beispiel die Vereine "Warta" aus Poznań [Posen] und "Wisła" aus Kraków . Nach dem Zweiten Weltkrieg waren von 1946 bis 1950 folgende jüdische Sportvereine tätig: "Stern", "Morgenstern", "Ha-Poel" und "Makkabäer". Die meisten (14) gab es in Niederschlesien, aber sie existierten auch in Łódź [Lodsch] und Warszawa. Sie wurden zusammen mit den jüdischen politischen Parteien aufgelöst. Seit 1989 gibt es in Warszawa der Klub "Makkabäer", dem Fecht- und Schachabteilungen angegliedert sind.

 

Der Text stammt vom Portal Diapozytyw, früher Eigentum des Adam-Mickiewicz-Instituts.
Der nebenstehende Text stammt aus dem Buch „Historia i kultura Żydów polskich. Słownik“ („Die Geschichte und Kultur der Polnischen Juden. Glossar.“), dessen Autoren Alina Cała, Hanna Węgrzynek und Gabriela Zalewska sind. Das Buch wurde beim Verlag WSiP herausgegeben.

Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:

Konrad Adenauer Stiftung Polska

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