Gerichtsbarkeit über Juden

Die gerichtliche Praxis in Polen in Bezug auf die Juden. In der altpolnischen Periode wurde kein einheitliches Rechtssystem für Judenangelegenheiten eingerichtet, was an den Unterschieden im rechtlichen Status der jüdischen Bevölkerung lag, die einerseits der königlichen, adligen und kirchlichen Gesetzgebung, andererseits dem jüdischen Gesetz in der Tora unterstand. Die ältesten Privilegien unterstellten die Juden der alleinigen Judikative des Königs, die in seinem Namen vom Gouverneur oder, in dessen Abwesenheit, durch einen besonderen Beamten, einen jüdischem Richter, ausgeübt wurde. Zu seinen Kompetenzen gehörte die Beurteilung von Streitigkeiten zwischen Juden und Christen, was bedeutete, dass die jüdische Bevölkerung von der Autorität des Amtsgerichts ausgeschlossen wurde. Die geltenden Gesetze wurden nicht immer eingehalten, manchmal wurden die Juden vor das Stadtgericht geladen. Sie standen sogar vor dem Königlichen Gerichtshof, der die höchste Gerichtsinstanz für den Adel war. Im Jahre 1539 verzichtete Sigismund I. auf die richterliche Gewalt über die auf privaten Gütern siedelten Juden und gab diese Gerichtsbarkeit an die Eigentümer dieser Güter ab. Interne Konflikte zwischen den Juden wurden in der Regel von jüdischen Gerichten geregelt.

Hanna Węgrzynek

Der Text stammt vom Portal Diapozytyw, früher Eigentum des Adam-Mickiewicz-Instituts.
Der nebenstehende Text stammt aus dem Buch „Historia i kultura Żydów polskich. Słownik“ („Die Geschichte und Kultur der Polnischen Juden. Glossar.“), dessen Autoren Alina Cała, Hanna Węgrzynek und Gabriela Zalewska sind. Das Buch wurde beim Verlag WSiP herausgegeben.

Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:

Konrad Adenauer Stiftung Polska

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