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Die ersten Juden lebten in Opole (Oppeln) wahrscheinlich schon vor der Stadtgründung, die in den Jahren 1211-1217 stattfand. Die sich hier ansiedelnden Juden kamen aus dem Westen und organisierten das soziale und politischene Leben des Staates nach westlichem Muster. Auch brachten sie Bräuche, religiöse Rituale und die Sprache der Aschkenasim (Hebräisch: אַשְׁכְּנָזִים, das Wort „aszkenazi“ bezieht sich auf Deutschland als das Land aus dem die Juden kamen) mit. Als sich die Juden in Schlesien in der Wende des 13. zum 14. Jahrhunderts ansiedelten, betrafen sie keine Rechtsbeschränkungen. Vielmehr wurden sie durch zahlreiche Privilegien der schlesischen Fürsten geschützt, die ähnliche Privilegien wie das im Jahre 1264 erlassene Bunzlauer Privileg schafften.

Mitte des 14. Jahrhunderts brach in Schlesien die Epidemie des Schwarzen Todes aus, die die Hungersnot zur Folge hatte. Als die Bevölkerung nach den Ursachen ihrer Tragödie suchte, beschuldigte sie die Juden der Brunnenvergiftung. Dies führte zu einem blutigen Pogrom gegen die Juden in Opole (Oppeln) im Jahre 1349[1]. In dieser Zeit hatten die Juden wahrscheinlich schon eine Schule in Opole (Oppeln)[2].

Ein weiteres Quellendokument, das die Anwesenheit der Juden in Opole (Oppeln) bestätigt, kommt aus dem Jahre 1396 – es informiert darüber, dass Fürst Bolko IV. ein Haus am Heiligkreuzfriedhof, das früher dem Juden Izaak gehörte, verkaufte[3].

Am Anfang des 15. Jh. bestritt die Mehrheit der Juden in Opole (Oppeln) ihre Existenz auf Handel und Darlehen für die Fürsten zu beschränken (zu dieser Zeit herrschte in ganz Europa das kanonische Zinsverbot). Die Tatsache, dass Fürst Bolko IV. den zwei jüdischen Brüdern Mosze und Dawid aus Opole (Oppeln) jeweils 40 und 124 Mark schuldig war, bestätigt dies[4].

1427 genehmigte Bernard, der Bruder des Fürsten Bolko IV., dem Juden Abraham aus Ziębice (Münsterberg), sich zusammen mit seiner Familie und den von ihm beschäftigten Personen für 10 Jahre in Opole (Oppeln) niederzulassen. Das in dieser Zeit erlassene Ansiedlungsprivileg erlaubte den Juden, wieder in Opole (Oppeln) zu leben und eine jüdische Schule, die in einem Privathaus gegründet wurde, zu eröffnen[5].

Das Zentrum des jüdischen Lebens in Opole (Oppeln) konzentrierte sich damals an der heutigen Św.-Wojciech-Str., die schon 1451 den Namen Judengasse trug, was auf eine ghettoähnliche Siedlung hinweist. Schutz erhielten sie durch ein 1427 erlassenes herzogliches Privileg [1.1]. Dort befand sich die jüdische Schule, deren Gründung auch durch das Privileg von Fürst Bernard aus dem Jahr 1427 genehmigt wurde, und wahrscheinlich eine Synagoge oder ein Gebetshaus. Es kann nicht ausgeschlossen werden, das sich an der Judengasse auch ein kleiner Friedhof befand[6].

Die gute finanzielle Lage der Juden war die Ursache für den ansteigenden Hass und die Pogrome gegen Juden. Kazimierz Bobowski beurteilt die damalige Situation auf folgende Art und Weise: „Die sich seit Anfang des 15. Jh. verstärkenden Pogrome gegen Juden in Schlesien können mit der Verschärfung der Klassengegensätzen in den Städten verbunden werden. In vielen schlesischen Städten erkannte das Patriziat in Pogromen die Chance für eine teilweise Auflockerung der Unzufriedenheit der ärmeren Bevölkerung wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse“[7].

Die Welle der Pogrome und Vertreibungen der jüdischen Bevölkerung, die Schlesien im Jahre 1453 betraf, wurde von leidenschaftlichen Predigten des Mönches Johannes Capestrano (1386-1456) ausgelöst. Er war ein Franziskanermönch, Generalinquisitor, der von Papst Nikolaus V. ernannt wurde, um eine Mission in Deutschland und Polen zu erfüllen. Capestrano rief in seinen Predigten zur Buße, Askese und Verteidigung gegen Türken, Hussiten und Juden auf, die er der Hostienschändug beschuldigte[8]. Im Jahre 1453 wurde in Opole (Oppeln) ein Jude namens Abraham wegen Entweihung der Hostie angeklagt. Nach einem Gerichtsverfahren wurde er zum Märtyrertod verurteilt.

Zur Wende des 15. zum 16. Jahrhundert erließen einige Herrscher schlesischer Fürstentümer Verordnungen, Patente oder Verabschiedungen schlesischer Landtage, in denen sie den Höchstzinssatz (sog. Wucher) für Darlehen festlegten. Die Nichtbefolgung dieser Vorschriften wurde mit harten Strafen geahndet, jedoch waren sie für christliche Kaufleute viel milder als für jüdische Kaufleute[9].

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[1.1] Alicke, Klaus-Dieter: Oppeln, [in:] Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, Bd. 3, Gütersloh 2008, S.3216.

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